Schwangerenberatung

Für die Betreuung von Schwangeren und Müttern mit Säuglingen und Kleinkindern gibt es in São Filipe das „Centro de Reprodução“, das für die ca. 25.000 Einwohner der Gemeinde zuständig ist. Es liegt in der Nähe des städtischen Krankenhauses, kooperiert mit ihm und wird vom Gesundheitsamt betrieben. Im April 2014 gab es dort ein Vorgespräch mit dem verantwortlichen Krankenpfleger über eine mögliche Unterstützung durch den Verein „Fogos Kinder“.

Die Ausstattung ist, wie in vielen Institutionen, sehr schlicht und wenig ansprechend, aber ausreichend, um den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten. Auch die Versorgung mit Verbrauchsmaterial wie z.B. Impfstoffen scheint sichergestellt. Jede Schwangere erhält einen Vorsorgepass und es werden regelmäßige Untersuchungen vor und nach der Geburt durchgeführt. Die Anzahl der Geburten liegt in der Gemeinde São Filipe bei ca. 500 pro Jahr und auf der gesamten Insel bei ca. 700.

Sehr stiefmütterlich wird allerdings die Beratung der häufig noch minderjährigen Mütter gehandhabt. „Dafür haben wir einfach keine Zeit. Manchmal warten hier 30 Mütter gleichzeitig und viele müssen mittags rechtzeitig das aluguer (Sammeltaxi) kriegen, um wieder in ihr Dorf zurückzukommen.“ Und es gibt überhaupt kein Informationsmaterial, das die Schwangeren oder jungen Mütter mitnehmen könnten. „Unser Budget ist sehr knapp, dafür reicht das Geld einfach nicht“. Die einzige Information besteht in einigen selbstgemalten Plakaten im Warteraum, deren Informationsgehalt sehr dürftig ist. („Dein Kind ist wie eine Blume, behandle es sorgsam. Es hat Anspruch auf eine harmonische physische und psychische Entwicklung.“)

Daraus entstand die Idee, gemeinsam mit den Mitarbeitern und der betreuenden Ärztin Informationsmaterial zu entwickeln, das auf die Lebenssituation der Schwangeren zugeschnitten ist. Sie fand bei den Mitarbeitern des Gesundheitszentrums großen Anklang, allerdings hat die Sache einen Haken:

Nach verschiedenen Gesprächen mit den Mitarbeitern vor Ort wurde deutlich, dass schriftliches Material von einem großen Teil der Schwangeren höchstwahrscheinlich nicht gelesen werden wird. Sie verfügen zwar in der Regel über eine einfache Schulbildung und können auch lesen, aber in ihrem Lebensalltag kommt Geschriebenes schlichtweg nicht vor (wenn man mal von der monatlichen Wasserrechnung von Aguabrava absieht). 

Schriftliche Informationen sind nach den Erfahrungen der Krankenschwestern und Pfleger vor Ort für viele Schwangere (und nicht nur die) „wie vom anderen Stern“ und landen ungelesen im Müll. Die Vermittlung von Informationen in mündlicher Form muss deshalb einen wesentlich breiteren Raum einnehmen, als zunächst angenommen.

Es ist geplant, eine ausgebildete Erzieherin zu beschäftigen, die sowohl in São Filipe wie auch in verschiedenen Dörfern im Inland Schwangerenberatung in Form von Vorträgen und Einzelgesprächen durchführt. Im Januar 2015 soll mit der Erarbeitung der konkreten Inhalte dieser Vorträge und Gespräche begonnen werden. Eine geeignete und derzeit arbeitslose Erzieherin wurde von uns bereits angesprochen und hat großes Interesse, bei der Vorbereitung und langfristigen Durchführung dieses Projektes mitzuarbeiten.

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Aktualisierung im Februar 2015:

Die weiteren Gespräche im Januar und Februar 2015 waren leider weniger konstruktiv. Tatsächlich gibt es bereits ein entsprechendes Angebot einer Psychologin in São Filipe, das prinzipiell allen Schwangeren offensteht. Allerdings ist es den Schwangeren vom Lande kaum möglich, daran teilzunehmen, weil zusätzliche Transportkosten entstehen bzw. zum Zeitpunkt der Veranstaltung auch keine öffentlichen Transporte mehr stattfinden. Nach Aussage der Psychologin fällt diese Veranstaltung häufig aus, weil sie dringendere Dinge zu erledigen hat. Außerdem nehmen nur 5 – 8 Schwangere an der Veranstaltung teil, was bei ca. 300 Schwangeren im Kreisgebiet nicht gerade viel ist.

Uns wurde auf freundlich-indirekte Art zu verstehen gegeben, dass man zwar gerne Sachspenden annehmen würde, aber eine praktische Mitarbeit nicht wirklich erwünscht sei. Wir hatten den Eindruck,  dass unsere Mitarbeit bestehende Strukturen in Frage stellen würde und eine konstruktive Zusammenarbeit vermutlich nicht zustande kommen würde.  Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, diese Projektidee nicht weiter zu verfolgen.

 

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