Ein Ferienlager für benachteiligte Kinder

Das kapverdische Ministerium für Jugend und Familie unterhält in São Filipe das Institut für Kinder und Heranwachsende (ICCA) für die Inseln Fogo und Brava. Aufgabe dieses Instituts ist es, sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche zu unterstützen. Zu diesem Zweck wurde u.a. die Kindertagesstätte „Nha Nerina“ eingerichtet, in der sich Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen oder ohne feste familiäre Bindung vor und nach dem Schulbesuch aufhalten können.

Wie bei vielen sozialen Einrichtungen ist die Gründung und Inbetriebnahme viel einfacher als die Finanzierung des laufenden Betriebs. Das gilt auch für diese Kindertagesstätte. Die Ausstattung mit Spielmaterial ist dürftig bis nicht vorhanden. Bis 2011 gab es noch ein warmes Mittagessen für die Kinder, dies Angebot wurde aber aus Kostengründen eingestellt, da die Banken- und Wirtschaftskrise auch und gerade den Staatshaushalt von Entwicklungsländern durcheinander gebracht hat.

Dieser Geldknappheit fiel auch das jährlich im Sommer veranstaltete Ferienlager der Kindertagesstätte zum Opfer. Das letzte Ferienlager, das von dem ICCA veranstaltet wurde, fand 2011 mit 45 Kindern statt. Die Kinder lebten in den Ferien im Juli eine Woche lang in den Räumen einer kleinen Schule im Inland von Fogo.

Hier ein Überblick über das Programm von 2011: es gab einen Ausflug in die Inselhauptstadt São Filipe ins Museum für Stadtgeschichte (Casa Memoria), einen Badeausflug zu den Salinas und einen in den Krater und Naturpark Cha das Caldeiras, wo es hauptsächlich um Landwirtschaft und Umweltschutz ging. Außerdem wurden Musik- und Volkstanzgruppen angeboten sowie Trainings in verschiedenen Sportarten und ein kleines Fußballturnier. Also ein richtig volles Programm.

2012 fiel das Ferienlager aus, weil keine Geldquelle zu finden war und auch im März 2013 gingen die Mitarbeiter davon aus, dass die Veranstaltung in diesem Jahr nicht stattfinden würde.

Es gibt immer das gleiche Problem: das Geld für die Verpflegung. Die ganze übrige Organisation ist relativ einfach zu bewerkstelligen. Die Schule steht kostenlos zur Verfügung. Die Transporte übernehmen Fahrer und Fahrzeuge der Stadtverwaltung, das Rote Kreuz stellt die Matratzen zur Verfügung, die Leiter vom Naturpark und dem Museum machen begeistert mit und das ICCA stellt ein Notfallfahrzeug mit Krankenschwester. Und im Überfluß gibt es ehrenamtliche Helfer für die Betreuung der Kinder oder die Zubereitung der Mahlzeiten.

Was fehlt sind 3,00 Euro Verpflegungsgeld pro Tag und Kind, also etwa 1000,00 Euro bei einer Teilnahme von 50 Kindern. Bei den Eltern ist praktisch nichts zu holen und die Geldbeutel der Institutionen sind wie zugenäht. Bleiben noch Sponsoren, wie lokale Firmen und Geschäfte. Aber auch deren Beitrag war in letzter Zeit so gering, dass es nicht gereicht hat.

Für viele Kinder ist das Ferienlager das Highlight des Jahres in einem ansonsten ziemlich tristen Alltag. Und auch die Mitarbeiter sind hochmotiviert, das Ferienlager durchzuführen, denn hier sehen sie viele Möglichkeiten, pädagogische Ziele umzusetzen, die im Alltag oft auf der Strecke bleiben. Es gibt Veranstaltungen zu den Themen Gesundheit, Zahnpflege, Ernährung und Hygiene und ab 12 Jahren Aufklärung über Verhütungsmittel und die Verhinderung frühzeitiger Schwangerschaften, HIV, Alkohol und Drogen.

Nach eingehenden Gesprächen mit der Leitung des ICCA und den betreuenden Erziehern hat sich der Verein „Fogos Kinder“ entschlossen, als Hauptsponsor das Zustandekommen des Ferienlagers 2013 durch finanzielle Unterstützung zu ermöglichen. Über eine Fortführung der Unterstützung in den Folgejahren wird dann jeweils zu Jahresbeginn entschieden.

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Nachtrag im September 2013:

Aufgrund eines tragischen Unfalls auf einer Ferienmaßnahme des ICCA auf der Insel Santiago, bei dem zwei Jugendliche ums Leben kamen, wurde das Ferienlager zwei Tage vor Beginn auf Anweisung der zuständigen Ministerin abgesagt. Ob und in welcher Form das Ferienlager in 2014 stattfinden kann, ist derzeit noch nicht entschieden.

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Nachtrag im Mai 2014

Weiterhin besteht die Anweisung der Ministerin, dass keine Personentransporte und Übernachtungen von Kindern im Verantwortungsbereich des ICCA stattfinden dürfen.

Eine Antwort auf Ein Ferienlager für benachteiligte Kinder

  1. Kaisa Ilmalahti sagt:

    Finde ich super, dass die Kinder durch den Ferienlager neue Sachen erleben, neue Leute kennenlernen und viele Erfahrungen sammeln können. Schön wäre natürlich, wenn Fogos Kinder kontinuierlich den Camp unterstützen könnte, heißt nächstes Jahr wieder!

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